Baulicher Zustand

Autoren: 

Ulrich Stappert

 

Die Zustandserfassung erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Das Leistungsverzeichnis sollte sich an der VSB-Empfehlung Nr. 144 des Verbandes zertifizierter Sanierungsberater für Entwässerungssysteme e. V orientieren. Die Durchführung einer Zustandserfassung auf unbekanntem Terrain kann nicht anhand einer öffentlichen Ausschreibung an den mindestfordernden Bieter vergeben werden. Reinigung und Befahrung werden üblicherweise pro laufendem Meter vergütet, eine Vorgehensweise, die sich auf Liegenschaften mit größtenteils unbekannten Kanalbestand als contra produktiv erweisen hat. Um in einem solchen Fall rentabel arbeiten zu können, ist der AN gezwungen, die Zustandserfassung bei der kleinsten Verzögerung durch Verzweigungen, Bögen oder andere Hindernisse abzubrechen und die weitere Untersuchung als nicht durchführbar einzustufen. Das Ergebnis ist entsprechend wenig zufriedenstellend, weil unvollständig. Die nachfolgende Abbildung zeigt einen durch verfestigte Ablagerungen geprägten Schacht. Derartige Ablagerungen sind auch mittels Hochdruckreinigung kaum zu beseitigen.

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Damit nicht bei jedem Niederschlag Schadstoffe ausgewaschen werden, ist ein Neubau sinnvoll.

Seriöse Unternehmen geben in der Regel bei einer Preisanfrage auf Meterbasis/Stückbasis gar kein Angebot ab, da Haltungen und Schächte auf Industrieanlagen wenn überhaupt dann nur schlecht unterhalten wurden und ein Zustand wie in nebenstehendem Bild eher die Regel als die Ausnahme darstellt und mit Meterpreisen von 1 Euro oder weniger nicht die vereinbarte Leistung kostendeckend erbracht werden kann.

Eine Angebotsanfrage bei bekannt zuverlässigen Unternehmen in Verbindung mit einer Vergütung auf Stundenbasis hingegen ist nur auf den ersten Blick deutlich teuer als die Vergütung auf Meterbasis, da sich der Auftragnehmer auf Stundenbasis in der Regel deutlich engagierter zeigt und ergebnisorientiert arbeitet. Eine intensive Überwachung der Arbeiten durch den Auftraggeber oder seinen Beauftragten trägt ebenfalls viel zu einer erfolgreichen Zustandserfassung bei.

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Wie diese Aufnahme zeigt, kann die Zustandserfassung aufgrund des baulichen Zustandes durchaus gefährlich sein. In solchen Fällen ist bei der Arbeitsüberwachung zwingend auf die Einhaltung der einschlägigen Vorschriften zur Unfallverhütung zu achten. 

Die Zustandserfassung von Schachtbauwerken sollte unbedingt mit einer 3-D-Kamera erfolgen, da diese Systeme die beste Sicht auf das gesamte Bauwerk ermöglichen, was für die Sanierungsplanung ein entscheidender Vorteil ist. Bei Haltungen ist der Einsatz der 3D-Technik erst im begehbaren Bereich sinnvoll, da hier die Ausleuchtung herkömmlicher Systeme nicht ausreicht. Die 3D-Technik kann dazu beitragen, Fehler des Untersuchers zu korrigieren (z. B. nicht erfasste Anschlüsse).

Um die Ergebnisse der Untersuchungen auf elektronischem Wege, z. B. mittels GIS, weiterverarbeiten zu können, wird die Dokumentation, d. h. die Bezeichnung aller Schächte, Haltungen, Leitungen und Anschlusspunkte, anhand der Arbeitshilfen Abwasser der Oberfinanzdirektion Hannover empfohlen, die für die Liegenschaften des Bundes aufgestellt wurden. Die Schadenserfassung und Bewertung erfolgt auf der Grundlage des Regelwerkes der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V (z. Zt. DWA-M 149), als Datenaustauschformat ist ISYBAU-XML (ISYBAU 2013) zu verwenden.